Der Satz „Wir hatten früher auch die Masern, und es hat uns nicht umgebracht“ ist in all seinem Zynismus auf umgekehrte Art und Weise auch wahr: Wer ihn sagen kann, ist möglicherweise tatsächlich dem Tod von der Schippe gesprungen. Die Masern sind nämlich eine schwere, unter Umständen auch tödlich verlaufende Krankheit, gegen die eine einfache Masernimpfung zuverlässig vorbeugen kann.

Es ist ein Irrsinn der heutigen Zeit, wenn westliche Wohlstands-Borniertheit dazu führt, dass Menschen sich nicht mehr gegen schwere Krankheiten impfen lassen, weil Impfungen angeblich a) gefährlich und/oder b) ein Verschwörungs-Instrument der Pharmaindustrie sind. Dass Eltern in der Dritten Welt um Impfstoffe für ihre Kinder geradezu betteln, weil sie die Risiken von Masern, Polio, Keuchhusten etc. genau kennen, dass „Ärzte ohne Grenzen“ auf der ganzen Welt wichtige Impf-Kampagnen durchführt, ficht die Wohlstands-Impfgegner nicht an. Kürzlich hat die WHO die Verweigerung von Impfungen zu einem der zehn größten globalen Gesundheitsrisiken erklärt. Die derzeit anhaltende, weltweite Masern-Epidemie untermalt das auf dramatische Weise.

Ich bin deswegen für die generelle Impfpflicht zur Vorbeugung schwerer Krankheiten, wie sie derzeit diskutiert wird. Nur durch eine gute Durchimpfung der Bevölkerung können schwere Krankheiten sicher eliminiert werden. Wer seine Kinder nicht impfen lässt, handelt als Eltern gegenüber den Kindern, aber auch gegenüber der Gesellschaft sträflich leichtsinnig. Übrigens: „Die Pharmaindustrie“ verdient im Vergleich zu den übrigen Leistungsbereichen der gesetzlichen Krankenversicherung an Impfstoffen verschwindend wenig (Ausgaben der GKV für Schutzimpfungen 2017: 0,64 %). Fragen und Antworten zum Thema Impfen finden sich u.a. hier: https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/Impfen/Bedeutung/Schutzimpfungen_20_Einwaende.html.

(Bild: Mark Wolfe [Public domain])

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