Weg mit dem Smartphone, lies ein Buch!

Es sind Meldungen, die ehrlich wehtun: Laut Börsenverein des Deutschen Buchhandels ist die Anzahl der Buchkäufer von 2012 bis 2016 um sechs Millionen gesunken. Der Anteil der Menschen, die einmal in der Woche in einem Buch lesen, ging in dieser Zeitspanne von 49 auf 42 Prozent zurück.  Die Verkaufszahlen waren in allen Genres rückläufig. Als Ursachen für den Trend nennt der Börsenverein rückläufige Kundenfrequenzen in den Innenstädten und eine zunehmende Medienkonkurrenz. (Quelle: Chemnitzer Freie Presse vom 12.03.2018)

Es stimmt nach diesen Nachrichten versöhnlich, dass nächstes Wochenende wieder Leipziger Buchmesse ist: Vom 15. bis 18. März können auf der Buchmesse Neuerscheinungen begutachtet, Lesungen gehört und Autoren aus nächster Nähe kennengelernt werden. Es ist eine dieser Veranstaltungen, die in Erinnerung ruft, wie schön es ist, sich mit einem Buch in eine andere Welt zurückzuziehen.

Lesen bedeutet nicht nur unvergleichliche, stille Freude, sondern bildet auch eine Grundlage für das Verständnis komplexer Zusammenhänge. Die Welt lässt sich nun einmal nicht in 280-Zeichen-Tweets erklären, auch wenn ein Donald Trump das glauben machen will. Was dabei herauskommt, können wir gerade täglich mit Schaudern beobachten. Längere Texte zu lesen, zu verstehen und einordnen zu können ist keine unverbindliche Zusatzkompetenz, sondern ein fundamental wichtiges Instrument zur Meinungsbildung.

Aus einer Erzählung, die mit „Ich hab‘ im Internet gelesen…“ beginnt, kann deshalb meistens nichts werden. Keine Frage, es ist leicht, sich kurz und einfach aufbereitete Informationen im Internet zusammenzuklauben. Ob auf Social-Media-Kanälen oder fragwürdigen Nachrichtenportalen – überall kann man in Sekundenschnelle eine simple „Erklärung“ für komplizierte Probleme finden. Doch muss dann in Kauf genommen werden, dass man verkürzte oder falsche Informationen, Verschwörungstheorien oder sonstigen Unfug verbreitet. Um es einmal deutlich zu sagen: Auch die Wikipedia ist noch lange keine seriöse Quelle für fundierte Informationen. Die Erlangung von Wissen ist mühsam. Es gibt einen Grund, warum Menschen Ausbildungswege durchlaufen, warum es Schulen, Ausbildungsbetriebe und Universitäten gibt. Selbst die Werkzeuge zur Erlangung fundierten Wissens müssen mühsam erlernt werden. Deswegen findet man die wirklich guten, wichtigen Informationen nicht im Internet, sondern in Büchern, und eben nicht nur in einem einzigen, wohlgemerkt: Wer sich auf eine ernsthafte Suche nach der Wahrheit macht, muss ein Gesamtbild erlangen, Quellen überprüfen, Fußnoten durchforschen, Recherchewege hinterfragen, die Validität von Aussagen überprüfen. Das, und nur das,  ist und bleibt die einzige Chance, sich vor jenen „Fake News“ zu schützen, vor denen paradoxerweise gerade jene stets zu warnen scheinen, die selbst ihre Informationen hauptsächlich aus dem Internet beziehen. Misstrauen wir also den selbsternannten Internet-Spezialisten, fangen wir wieder an denen zu vertrauen, die wirklich von ihrem Fach Ahnung haben – weil sie es in jahrelanger harter Arbeit erlernt haben.

Gleichzeitig aber gibt es kaum etwas Schöneres, als sich auf diesen Weg der Suche nach der Wahrheit zu machen. Wenn man ihn geht, wird man schnell müde, aber es gibt unendlich viel zu sehen und zu bestaunen.

Zu meiner großen Freude ist das Gastland auf der Leipziger Buchmesse in diesem Jahr übrigens: Rumänien! Ich hoffe, dass an diesem Wochenende viele Besucherinnen und Besucher die reiche literarische Tradition dieses Landes besser kennenlernen werden. In diesem Sinne: Lasst Euer Smartphone öfter mal beiseite – und lest stattdessen ein Buch!

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