Am Rande notiert: Der Parlamentsdienst

In meiner fortlaufenden Reihe „Ohne die läuft in diesem Laden gar nix“ war ich heute zu Besuch beim Parlamentsdienst der SPD-Bundestagsfraktion. Eines der wichtigsten Handwerkszeuge in jeder Sitzungswoche ist für mich die ca. 5-seitige „Übersicht über Plenarthemen“, sprich: der Ablaufplan für die Plenarsitzungen, mit Anträgen, Redezeiten, namentlichen Abstimmungen etc. Dieses kurze Tabellenblatt, nämlich die Tagesordnung des Bundestages zusammenzustellen, ist aber eine Heidenarbeit, und die macht auf Seiten der SPD der geschätzte Kollege Christian Buchholz (im Bild rechts) mit seinem Team. In unzähligen Abstimmungs-Telefonaten zwischen den mittlerweile sechs Fraktionen des deutschen Bundestages sowie den jeweils beteiligten Ministerien wird geklärt, welche Vorlagen es gibt, welche Vorlagen wie und zu welchem Zeitpunkt auf die Tagesordnung kommen sollen, wer für die SPD reden wird, etc. Christian und die Seinen sind deswegen in den Sitzungswochen die, die bis zum bitteren Ende bleiben müssen, sprich: bis zum Ende der Plenarsitzungen, die manchmal bis spät in die Nacht oder gar bis in die frühen Morgenstunden gegen 3:00/4:00 Uhr dauern.

Wer aber dann dafür zuständig ist sicherzustellen, dass auch möglichst viele Abgeordnete tatsächlich im Plenum vorhanden sind, ist der Kollege Eckhard Fischer (im Bild links), ein echtes Fraktions-Original, der in meinem Büro den Spitznamen „der Einpeitscher“ (nach „Ben Hur“) trägt. Seine sonore Stimme kann man immer dann über den bei mir neben dem Schreibtisch installierten Hausruf vernehmen, wenn die Plenarteilnahme (aus welchen Gründen auch immer) zu einem bestimmten Zeitpunkt eher dünn ist. Und just als ich diese Zeilen schreibe, erklingt es tatsächlich aus dem Lautsprecher: „Im Plenum ist es einsam… Es stehen wichtige, sozialdemokratische Themen auf der Tagesordnung, kommt deswegen bitte sofort zahlreich ins Plenum!“ Eckhard hat mich aber soeben (was mich sehr traurig macht) darüber informiert, dass er in Kürze aus technischen Gründen nicht mehr direkt wird kommunizieren können, sondern seine Ansagen per Tastatur einer Computerstimme übergeben muss. Wieder einmal so ein Fall, wo der technische Fortschritt dem Leben Lebendigkeit, Farbigkeit und Seele nimmt.

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