Mein Redebeitrag im Chemnitzer Stadtrat zur Benennung des Platzes am Neuen Technischen Rathaus in „Friedensplatz“

Sehr geehrter Herr Bürgermeister,

sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen Stadträte,

liebe Chemnitzerinnen und Chemnitzer,

für die Stadt Chemnitz können wir sagen, dass wir seit nunmehr 72 Jahren eine Zeit des Friedens erleben dürfen. Unsere Generation und auch ein guter Teil unserer Eltern hatten das Glück, keine Kriege erleben zu müssen.  Frei von Brüchen sind wir hingegen nicht aufgewachsen und viele von uns haben Chemnitz noch erlebt, als es von den Spuren des Zweiten Weltkrieges gezeichnet war, den Deutschland über die Welt brachte und der schließlich hierher zurück kehrte. Geprägt von den Zerstörungen des Krieges dürfte man wohl gerade in Chemnitz ein Leben im Frieden achten gelernt haben. Immer wieder führten Krisen vor Augen, wie zerbrechlich ein solcher Frieden auch sein kann. Und nicht zuletzt zeigt uns die Gegenwart, dass diese lange stabile Phase des Friedens eben keine Selbstverständlichkeit ist. So führte das Heidelberger Institut für Internationale Konfliktforschung Anfang 2017 18 Kriege der höchsten Eskalationsstufe und weitere 20 begrenzte Kriege. Rechnet man weitere gewaltsame Konflikte dazu, steigt die Zahl auf über 220.

Leider vergessen wir das allzu oft. Alljährlich erinnert jedoch der Chemnitzer Friedenstag an die Ursachen des Zweiten Weltkriegs und die Folgen auch für unsere Stadt. Ehrenamtliche Chemnitzer Vereine und Initiativen, Schülerinnen und Schüler, Überlebende von 1945 und auch wir Stadträtinnen und Stadträte erinnern an diesem Tag daran, dass so etwas nie passieren darf.  Auch trat unsere Stadt dem Bündnis „Mayors for peace“ bei und steht gemeinsam mit 470 deutschen und weltweit über 7.000 Städten für Frieden ein, unter anderem verbunden mit der Forderung nach endgültiger atomarer Abrüstung.

Der Chemnitzer Friedenstag rückt schon wieder näher und wir schlagen gerade diesen Tag vor, um einem Chemnitzer Platz den Namen Friedensplatz zu geben. Eine solche Benennung kann für jeden und jede von uns etwas anderes bedeuten:

Sie kann Mahnung sein, den Frieden zu erhalten. Sie kann Erinnerung sein, an die Zeit, als über sechs Jahrzehnte Frieden undenkbar waren. Sie kann eine Forderung deutlich werden lassen, die Menschen nicht zu vergessen, die unter einem der genannten 226 gewaltsam geführten Konflikte leiden. Und sie kann die Würdigung der Leistung von Politikerinnen und Politikern sein, die sich in den vergangenen 72 Jahren dafür eingesetzt haben – immerhin – in der Mitte Europas Verständigung und Zusammenleben voran zu bringen.

Wir halten daher den Namen „Friedensplatz“ für einen sehr gelungenen Namen. Und der Ort, den wir dafür vorschlagen ist aus unserer Sicht auch passend. Wir schlagen die Benennung des Platzes vor dem Neuen Technischen Rathaus hierfür vor. Mit dem Neubau schließt sich dieses Jahr eine Lücke, die ebenfalls sinnbildlich für die Brüche unserer Stadt stand.

Früher fand sich hier ein gewachsener Stadtteil zwischen Johannisvorstadt und Sonnenberg, der Zweite Weltkrieg riss Wunden, die nicht so recht zu schließen waren. Ob mit der  Textima-Ruine oder dem überregional bekannt gewordenen „Conti-Loch“, unserer Stadt sah man an, dass hier etwas fehlte. Diese Lücke schließt sich nun und wir haben die Chance, dem neu entstehenden Platz einen angemessenen Namen zu geben. Aus den eben genannten Gründen sind wir der Überzeugung, dass dies der Name „Friedensplatz“ sein soll und ich bitte Sie, liebe Stadträtinnen und Stadträte, um Ihre Zustimmung.

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