Am Rande notiert: Berlins Seen und Flüsse

Wenngleich schon in den 1950er Jahren einer der bekanntesten Schlager der Bundesrepublik den Wannsee als Ausflugsziel rühmte, hat Berlin nicht gerade das Image einer „Wasserstadt“. Stattdessen haben im Sommer viele das Bild von flirrender Hitze über Betonlandschaften inmitten von brandenburgischen Sandlandschaften im Kopf, vor denen man nur an wenigen, hart umkämpften Schattenplätzen Zuflucht suchen kann.

Zumindest teilweise wird Berlin dieser Ruf aber zu Unrecht angelastet. Tatsächlich gibt es deutlich mehr Gewässer in und um Berlin, als ein Stadtspaziergang durchs Zentrum zunächst ahnen ließe. 6,6% der Berliner Gesamtfläche sind Gewässer. Das erscheint nicht viel, sind umgerechnet aber immerhin 58,9 km². Neben der Spree durchziehen zahlreiche Kanäle, Flüsse und Flüsschen, wie Dahme, Havel oder Panke das Berliner Stadtgebiet. Gemeinsam bringen sie es auf die beachtliche Gesamtlänge von über 156 km. Eine schöne Strecke, die man zu einem großen Teil auch mit Ausflugsschiffchen diverser Schifffahrtsgesellschaften entlangschippern kann. Der Schiffsverkehr ist aber nicht nur eine schöne Freizeitgestaltung, sondern hat oft ganz praktischen Nutzen – wie zum Beispiel bei der Fährverbindung F 11, mit der man innerhalb von zwei Minuten die Spree zwischen Baumschulenweg und Oberschöneweide überqueren kann. Oder aber bei der Ruderfähre F24, die zwischen Rahnsdorf und Müggelheim verkehrt und in den Sommermonaten am Wochenende und feiertags bis zu acht Passagiere mit einem Ruderboot übersetzt. Die Besonderheit dabei: weil beide Fähren zum öffentlichen Nahverkehrsnetz Berlins gehören, braucht man lediglich ein Kurzstreckenticket der BVG zum Preis von 1,70 € für die Überfahrt.

Neben den Flüssen sind es aber vor allem die zahlreichen Seen, die dafür sorgen, dass eine Abkühlung im heißen Berliner Sommer stets in Reichweite bleibt. Der größte See Berlins ist der Müggelsee in Treptow-Köpenick mit 7,6 km ² Fläche; der Tiefste ist der Flughafensee in Tegel mit ca. 34 m. Beide bieten, genauso wie viele andere größere und kleinere Seen im Stadtgebiet, ideale Schwimm- und Entspannungsbedingungen. Das ist umso wichtiger, als dass die Schwimmbadsituation in Berlin durchaus ausbaufähig ist: 17 Freibäder kommen auf 3,5 Mio. Einwohner. Dagegen schneidet Chemnitz mit vier Freibädern und einem Strandbad für ca. 248 000 potenzielle Badegäste gar nicht so schlecht ab. Jedoch bieten in Berlin die vielen Strandbäder und kleinen Buchten an den ungefähr 50 Seen eine Alternative, mit der ohnehin kein Schwimmbad so leicht konkurrieren könnte. Nicht nur zum Schwimmen findet sich hier ausreichend Platz, sondern auch zum Schiff, Kajak oder Segelboot fahren, Stand-up-Paddeling, Tauchen oder für (fast) jede sonstige wassersportliche Aktivität.

Ich persönlich bin aber auch durchaus für einen ruhigeren Seeausflug mit viel landschaftlicher Idylle zu haben. Deshalb habe ich mich sehr gefreut, gestern Abend im Rahmen der traditionellen Spargelfahrt des Seeheimer Kreises dem Wannsee wieder einmal einen Besuch abgestattet zu haben!

(Bildnachweis: © Nodder / CC BY-SA 3.0 / https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de)

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