Manager-Mafia

Die fortwährenden Enthüllungen beim sogenannten Abgasskandal in der deutschen Automobilbranche machen sprach- und fassungslos. Man muss sich das einmal wirklich bildlich vorstellen: Wir sprechen hier ja nicht davon, dass bloß in irgendwelchen Schriftwechseln mit Behörden Zahlen geschönt oder Angaben unterdrückt wurden. Wir sprechen davon, dass Autokonzerne, immerhin die schimmernden Säulen der weltweit berühmten deutschen Industrie, vorsätzlich, planmäßig und wahrscheinlich mit einiger Entwicklungszeit eigens eine diffizile Technik entwickelt und in ihre Autos eingebaut haben, die die Autos u.a. erkennen lässt, ob sie sich auf der Straße oder auf dem Prüfstand befinden. Nur im letzteren Falle werden dann die Abgas-Reinigungssysteme zugeschaltet. Und wir reden weiter nicht davon, dass des Nachts ein vermummter Techniker in die Werkshallen schleicht, um an den neuen Modellen heimlich Knöpfe zu drücken. Wir reden von einer sorgfältig geplanten Entwicklungs- und Produktionskette mit einer sicherlich erheblichen Anzahl von Mitwissern, eingefädelt und betrieben mit einer unfassbaren kriminellen Energie.

Blamage, Enttäuschung, Schande, Betrug am Kunden, Rufschaden in der gesamten Welt – man kann gar nicht aufhören dieses Verhalten mit drastischen Worten zu geißeln. Die deutsche Automobilbranche – Innovationsmotor, Aushängeschild, Stolz einer ganzen Nation – steht nun zurecht da als eine Mafia von Managern.

Als hätten die Autobauer solche Tricks nötig gehabt. Es hilft jetzt alles nichts: Es müssen jetzt alle Karten auf den Tisch. Staatsanwaltschaften und Politik sind nun gefragt, bis in die letzten, dunklen Ecken zu schauen, alles restlos transparent zu machen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Und dann wird es darum gehen, national wie international wieder eine saubere Führungsrolle zu erkämpfen, auf der Basis von Ehrlichkeit, Tüchtigkeit und Qualität. Es geht schließlich nicht zuletzt um Arbeitsplätze, auch hier in Chemnitz und Sachsen.

(Bild: BMW Werk Leipzig)

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