Verzockt

Wer hätte das gedacht: Vor einigen Wochen noch, bei Verkündung ihrer Entscheidung Neuwahlen in Großbritannien abzuhalten, schienen Premierministerin Theresa May und ihre Konservativen nicht nur als Wahlsieger festzustehen: Jedermann erwartete, dass Theresa May durch die Neuwahlen die weit abgeschlagene Labour Party unter dem glücklosen und belächelten Sozialisten Jeremy Corbyn als Opposition im Grunde ausschalten würde, ihren Vorsprung weiter ausbauen und sich dadurch ein robustes Verhandlungsmandat für die kommenden Brexit-Verhandlungen sichern könnte. Tatsächlich aber hat May die Wahlen verloren, indem sie sie gewonnen hat, während Corbyn sie gewonnen, indem er sie verloren hat: Die Konservativen haben peinlicherweise ihre absolute Mehrheit verloren und wollen nun (ausgerechnet!) mit der nordirisch-unionistischen DUP koalieren, während Labour nah an die Konservativen herangerückt ist. Das erzeugt die absurde Situation, dass, während durch den sich ankündigenden Brexit die Spannungen in Nordirland zugenommen haben, die britische Regierung sich im Grunde durch die Koalitionsbildung einseitig mit einer der Konfliktparteien zusammentut. Theresa May aber ist nun überraschend eine „lame duck“, aus der unangreifbaren Regierungschefin ist eine angezählte Premierministerin auf Abruf geworden. Das wird die komplizierten Brexit-Verhandlungen nicht leichter machen.

(Bild: © Sophie Brown)

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