Taumelnd ins Brexit-Chaos

Was für ein Schauspiel: Mit 432 Nein- zu 202 Ja-Stimmen hat das britische Unterhaus am Dienstag den Brexit-Deal von Premierministerin Theresa May abgelehnt – und das nur reichlich 3 Monate vor dem planmäßigen Ausscheiden Großbritanniens aus der EU. Mit Fassungslosigkeit schauen Europa und die Welt derzeit auf das einstige Empire, in dem man es kurz vor dem Brexit nicht einmal schafft, Probe-Staus an den Grenzen zu organisieren oder ein Fähr-Unternehmen für den Fall der Fälle zu chartern, das auch tatsächlich Schiffe unterhält.

Wenn es doch nur eine kurzfristige, gangbare Alternative zur Regierung May gäbe – aber die gibt es nicht: Bisher ist nicht erkennbar, welche Ziele die Labour-Opposition unter Jeremy Corbyn außer Neuwahlen eigentlich verfolgt. Und Neuwahlen würden wertvolle Zeit vergeuden, an deren Ende dann eben auch nicht sicher wäre, ob es zu einem auch im Parlament tragfähigen Deal käme.

Nochmal: Es kann nicht im Interesse der EU sein, Großbritannien für die Brexit-Entscheidung zu „bestrafen“. Aber ich habe Verständnis dafür, dass die EU nicht willens ist, den mühsam verhandelten, wirklich praktikablen Brexit-Deal jetzt noch einmal aufzuschnüren. Was bleibt, ist Ratlosigkeit, und der ehrliche Wunsch an die Britinnen und Briten: Good luck, you’ll need it.

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