Während die Kanzlerin erneut einen Appell an die Bevölkerung richtet und zu Besonnenheit mahnt, weil wir immer noch am Anfang der Pandemie stehen, besprechen die deutschen Clubs aus der 1. und 2. Fußball-Bundesliga, unter welchen Umstände eine Fortführung der Saison möglich ist. Das ist Wahnsinn und zeigt einmal mehr, wie weit sich der deutsche Profifußball von der Lebenswelt der Deutschen entfernt hat.

Ich möchte keine inhaltliche Analyse des Masterplans der DFL vornehmen. Das überlasse ich den Fachleuten. Auch die wirtschaftlichen Zwänge und die eventuellen Folgen von monatelangen Spielabsagen im Milliardengeschäft Bundesliga sind mir klar.

Mir geht es um das Signal, das von einer Wiederaufnahme des Spielbetriebes ausgeht. Ich schaue mir sehr gerne, sehr viele Spiele der Fußballbundesliga an. In vielen deutschen Haushalten gehören die Liveberichterstattung am Wochenende oder das Sportstudio und die Sportschau am Abend zur Routine. Es sind Rituale des Wochenendes, Instrumente der Zerstreuung. Aber welche Signalwirkung hat es, wenn der Ball, auch vor leeren Zuschauerrängen, wieder rollen würde?

Wir sprechen über Abstandsregeln und Maskenpflicht, fordern ein hohes Maß an Disziplin und persönlichen Einschränkungen ein und am Samstag stehen dann fünf junge Männer in einer Mauer oder führen hitzige Zweikämpfe im Strafraum. Das führt jeden Appell ad absurdum und verhöhnt jeden Einzelnen von uns, der sich solidarisch zeigt und sich an die gebotenen Vorsichtsmaßnahmen hält. Wie wollen wir weiterhin erklären, dass es an Tests, Schutzkleidung und Ressourcen in Krankenhäusern und Pflegheimen mangelt, aber für Geisterspiele alles vorgehalten werden kann?

Statt eifrig an Konzepten zu werkeln, die eine Fortführung der Saison ermöglichen, könnte die DFL die Zeit nutzen, darüber nachzudenken, wie sie die Distanz zwischen Fans und Profisport überbrücken möchte.

Der Fußball ist nicht systemrelevant und es ist auch nicht an der Zeit, den Menschen Normalität vorzugaukeln.

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