Dass sich die neue Eskalation im Konflikt zwischen Indien und Pakistan ausgerechnet an der Kaschmirregion entzündet, ist wenig überraschend, aber dadurch nicht weniger erschreckend. 1947 wurde Britisch-Indien geteilt in das mehrheitlich hinduistische Indien sowie Pakistan (damals noch unter Einschluss des heutigen Bangladesch) als nationale Heimstätte der indischen Muslime. Seither war Kaschmir Schauplatz dreier Kriege zwischen Indien und Pakistan (1947, 1965 und 1999). Der Anspruch Pakistans auf die indisch kontrollierten Gebiete im Süden sowie umgekehrt Indiens auf die pakistanisch kontrollierten Gebiete im Norden Kaschmirs manifestierte sich aber noch viel häufiger in gewalttätigen Auseinandersetzungen – zuletzt aktuell am 14. Februar 2019, als nach einem Anschlag islamistischer Terroristen auf indische Sicherheitskräfte die indische Luftwaffe in den pakistanischen Luftraum eindrang und nach eigener Aussage ein mutmaßliches Trainingslager der Terroristen bombardierte. Wenngleich Pakistan einen gefangengenommenen indischen Piloten nunmehr freigelassen hat, ist eine langfristige Befriedung des Konflikts nach wie vor nicht in Sicht. Im Gegenteil, durch die Geschehnisse ist die Lage wieder äußerst instabil. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass sowohl Indien als auch Pakistan über Atomwaffen verfügen, ist das eine fatale Entwicklung, die schrecklich enden könnte. Die Region bleibt ein fürchterlicher Sprengsatz mit langsam glimmender Lunte.

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