Am Rande notiert: Sachsen und Preußen

Als Chemnitzer MdB und Sachse bin ich in Berlin historisch ja gewissermaßen im Ausland unterwegs – in der ehemaligen Hauptstadt Preußens nämlich. Und natürlich ist Preußen im Berliner Stadtbild architektonisch höchst lebendig: der Berliner Dom, das Brandenburger Tor, Unter den Linden, das soeben neu erbaute Berliner Schloss, die Siegessäule – all diese Orte zeugen eindrucksvoll (und einschüchternd) von „Preußens Glanz und Gloria“.

Preußen als Staat wurde durch das Kontrollratsgesetz Nr. 46 vom 25. Februar 1947 aufgelöst. Darin stellte der Alliierte Kontrollrat fest: „Der Staat Preußen, der seit jeher Träger des Militarismus und der Reaktion in Deutschland gewesen ist, hat in Wirklichkeit zu bestehen aufgehört. Geleitet von dem Interesse an der Aufrechterhaltung des Friedens und der Sicherheit der Völker und erfüllt von dem Wunsche, die weitere Wiederherstellung des politischen Lebens in Deutschland auf demokratischer Grundlage zu sichern, erlässt der Kontrollrat das folgende Gesetz: Artikel 1: Der Staat Preußen, seine Zentralregierung und alle nachgeordneten Behörden werden hiermit aufgelöst.“

Aber noch heute weckt der Begriff „Preußen“ vielerlei Assoziationen: negativ zum Beispiel Militarismus, soldatische Steifheit, Großmannssucht, Pedanterie, oder positiv Aufgeklärtheit, Toleranz und staatliche Effizienz.

Preußen und Sachsen verbindet eine wechselvolle Geschichte: Dabei nahm die Nachbarschaft eigentlich einen freundschaftlichen Anfang: Im 17. Jahrhundert unterstützten sich die beiden Regierungen gegenseitig dabei, ihren Herrschaftsanspruch zu legitimieren und auszuweiten. Die Hohenzollern verhalfen August dem Starken im Jahr 1697 zur Annexion Polens, während dieser im Gegenzug die Krönung Friedrich III. von Brandenburg zum König von Preußen im Jahr 1701 unterstützte. So weit, so erfolgreich. Erst nach dem Dreißigjährigen Krieg begann die Rivalität zwischen Sachsen und Preußen mehr Raum einzunehmen, die schließlich im klischeebelasteten Antagonismus der sächsischen Prunksucht und des preußischen Militarismus ihren Ausdruck fand. Mit dem Siebenjährigen Krieg (1756 – 1763) kippten die preußisch-sächsischen Beziehungen schließlich in offene Feindschaft, als Preußen Sachsen militärisch besiegte und anschließend wirtschaftlich ausplünderte. Darüber hinaus verlor Sachsen, das an der Seite Napoleons gekämpft hatte, nach dem Wiener Kongress (1814/15) zwei Drittel seines Herrschaftsgebiets an Preußen.

Die alte Rivalität zwischen Sachsen und Preußen blieb weiterhin bestehen – teilweise bis heute, wenn auch mit einem selbstironischen Augenzwinkern. Paradoxerweise ist dieses Festhalten an traditioneller Lokalrivalität nun eine lieb gewonnene Gemeinsamkeit geworden.

Apropos Gemeinsamkeit: In den 1960er Jahren kam es im Zuge der „FDJ-Initiative Berlin“ zu einem sächsisch-berlinerischem Projekt, das, wenn man so will, ein bis heute sichtbares Zeichen der Verständigung zwischen Sachsen und Preußen gesetzt hat. Seit 1973 arbeiteten nämlich FDJ-ler aus der gesamten DDR an Bauprojekten im Berliner Raum mit, wie zum Beispiel beim Ausbau des Stadtteils Marzahn.

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