Am Rande notiert: Graffiti im Bundestag

Normalerweise bedanke ich mich bei „Am Rande notiert“ auch bei denjenigen, die die Arbeit des Deutschen Bundestages im Hintergrund begleiten und dadurch erst ermöglichen. Heute möchte ich das bei Menschen tun, die aller Wahrscheinlichkeit schon längst tot sind: Nämlich den sowjetischen Soldatinnen und Soldaten, die im April und Mai 1945 das Reichstagsgebäude eingenommen und damit dazu beigetragen haben, Deutschland vom Nazi-Joch zu befreien. In diesem Zusammenhang gilt mein Dank aber natürlich allen Soldatinnen und Soldaten der alliierten Truppen. Diese haben im Kampf gegen die nationalsozialistische Gewaltherrschaft Ihr Leben aufs Spiel gesetzt und zu großen Teilen dieses auch verloren.

Graffiti im Bundestag – Zeichen des Sieges über Hitlerdeutschland

Aber die Sowjettruppen spielen eben für den Sitz des Deutschen Bundestages eine ganz besondere Rolle: Der Reichstag war für sie das Symbol Hitlerdeutschlands. Aus diesem Grund war diee Einnahme des Reichstagsgebäudes somit das Symbol des Sieges. Deshalb wurde, in den Hallen und Korridoren, in den letzten Kriegstagen noch besonders erbittert gekämpft. Die jungen Kämpferinnen und Kämpfer hinterließen nach dem Sieg auf den Wänden allerlei Inschriften, heute würde man sie „Graffiti“ nennen. Dabei handelt es sich um Namen, Parolen, Grüße in die Heimat, ihre Herkunftsorte, aber natürlich auch allerhand Vulgäres.

Nach Restauration erhalten

Diese Inschriften hat man nach der Freilegung im Rahmen der Umbauarbeiten erhalten, allerdings einige besonders zotige Kritzeleien unter Absprache mit der russischen Botschaft entfernt. Es ist nicht unumstritten, dass man diese Graffiti der Sieger im Reichstagsgebäude erhalten hat. Ich finde aber, sie sind ein rührendes Zeugnis jüngerer deutscher Geschichte: Letzte Spuren junger Soldaten, die Tausende von Kilometern fern der Heimat einen Sieg errungen haben über ein Land, das unendliches Leid über ihre Heimat gebracht hat. Es ist nicht zuwenig, dass man ihnen ihr „Ich war hier, wir haben es geschafft“ lässt.

Bereits im April 2001 widmete die Berliner Zeitung den Kritzelein der sowjetischen Soldaten, bzw. dem Graffiti im Bundestag, einen Artikel bezüglicher ihrer Bedeutung.

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