Am Rande notiert: Die Schweizer Botschaft

Wenn ich gefragt würde, welches Gebäude ich für wirklich unzerstörbar halte, dann denke ich als erstes an einen kompakten, neoklassizistischen Bau, auf dessen Dach fröhlich die Schweizer Fahne weht: Die Schweizer Botschaft, 1870 gebaut und seit 1920 von der Schweiz als Kanzlei der Schweizer Gesandtschaft genutzt, blieb nicht nur vom nahen Reichstagsbrand im Februar 1933 unbetroffen. Sie wurde auch von den Abrissarbeiten im Dritten Reich verschont, die die größenwahnsinnige Umgestaltung Berlins zur „Welthauptstadt Germania“ vorbereiten sollten. Auch den Zweiten Weltkrieg überstand die Schweizer Botschaft als einziges Gebäude im ehemaligen Alsenviertel nahezu unbeschadet. Auf Bildern, die zu dieser Zeit aufgenommen wurden, kann man sehen, wie das Stadtpalais in sturer Unversehrtheit aus Trümmern und Kriegsgerät herausragt.

Während der deutsch-deutschen Teilung residierte der Schweizer Botschafter nicht in Berlin. Erst im Jahr 1999, als auch die erste gesamtdeutsche Regierung wieder nach Berlin gezogen war, nutzte die Schweiz das Palais wieder als Botschaftsgebäude. Inzwischen war zwar aus Platzgründen ein Anbau nötig geworden, aber das ursprüngliche Botschaftsgebäude steht nach wie vor gut sichtbar zwischen Reichstagsgebäude und Kanzleramt: ein kleines, unbeugsames Gebäude, das nicht aufgehört hat, den Wirrungen des 20. Jahrhunderts Widerstand zu leisten. Als Botschafter Thomas Borer und seine Frau Shawne Fielding 1999 nach Berlin zogen, avancierte die Botschaft, zur Freude des Boulevards, zum glamourösen Partytreffpunkt mitten im politischen Herzen des Berliner Politikbetriebs. Allzu lange dauerten diese wilden Jahre allerdings nicht, und mit dem Ausscheiden Borers aus dem diplomatischen Dienst im Jahr 2002 kehrte eine seriöse Arbeitsatmosphäre in das Palais zurück. Und es sieht ganz danach aus, als würde sich die Schweizer Botschaft auch im 21. Jahrhundert gut einrichten.

(Bild: Jörg Zägel, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0)

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