Am Rande notiert: Die Gedenkstätte Deutscher Widerstand

Es gibt einige Orte in Berlin, die einen mitten im lebendigen Großstadttreiben nachdenklich werden lassen. Die Gedenkstätte Deutscher Widerstand, die sich seit 1967 in unmittelbarer Nähe zum Potsdamer Platz befindet, ist einer dieser Orte. Im sogenannten „Bendlerblock“ wurden am 21. Juli 1944 vier führende Widerstandskämpfer gegen das Nazi-Regime, darunter Claus Schenk Graf von Stauffenberg, standrechtlich erschossen. Tags zuvor waren das von ihnen geplante und durchgeführte Attentat auf Hitler und der damit verbundene Umsturzversuch gescheitert. Nach dem Attentat von Georg Elser am 8. November 1939 war dies der letzte aussichtsreiche Versuch, mit dem Tod Hitlers den nationalsozialistischen Vernichtungskrieg und den Holocaust zu beenden. Bereits in den Biographien des Arbeiters Elser und des aristokratischen Offiziers Stauffenberg spiegelt sich die Vielfalt des Widerstands, den die Gedenkstätte Deutscher Widerstand in allen Facetten näherbringt. Es gab nicht „die“ eine, große Widerstandsbewegung, sondern viele unterschiedlich motivierte und umgesetzte Widerstandsformen. Es gab politischen Widerstand aus der kommunistisch und sozialdemokratisch dominierten Arbeiterbewegung, von christlichen Organisationen wie der Bekennenden Kirche, von Künstlern und Intellektuellen, von Jugendlichen, von Juden, von Sinti und Roma – und schließlich von Einzelnen, die die rassistische Gewaltherrschaft des Nationalsozialismus einfach nicht schweigend hinnehmen wollten. In der umfangreichen Dauerausstellung der Gedenkstätte kann man die individuellen Biographien von Widerstandskämpferinnen und Widerstandskämpfern nachvollziehen. Es ist wenig überraschend, aber doch bedrückend, dabei festzustellen, dass Widerstand im Nationalsozialismus nicht die Regel, sondern die wertvolle Ausnahme war. Es war ein gefährliches und einsames Vorhaben, das oft tödlich endete und noch eine ganze Weile nach Kriegsende nicht gewürdigt, sondern gesellschaftlich verachtet wurde. Erst Jahrzehnte später etablierte sich eine Erinnerungskultur, die dem Widerstand die ihm angemessene Anerkennung zukommen ließ. Sie verpflichtet uns bis heute dazu, Gewalt, Hass und der rassistischen Verrohung der Gesellschaft entschieden entgegenzutreten.

Ergänzend zur Dauerausstellung beleuchtet die Gedenkstätte in Sonderausstellungen weiterreichende Themen, bietet Führungen und Seminare an, veranstaltet Podiumsdiskussionen und Vorträge und publiziert Begleitmaterialen zur Ausstellung sowie aktuelle Forschungsergebnisse. Bis zum 27. Juni 2018 kann übrigens die Sonderausstellung „Für Freiheit und Republik! Das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold 1924 bis 1933“ besucht werden. Ein breites Angebot, das bei einem Berlin-Besuch unbedingt wahrgenommen werden sollte!

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