Wie kaum eine andere deutsche Stadt spiegelt Berlin jüngere deutsche Geschichte in vielerlei Facetten. Deswegen sind die Überreste der Berliner Mauer oder der Checkpoint Charlie nicht die einzigen Hinweise auf die deutsche Teilung und den Eisernen Vorhang zwischen Ost und West. Wer Lust auf einen Ausflug ins Grüne hat, dabei aber in Berlin bleiben will und trotzdem noch etwas Geschichte mitnehmen möchte, dem sei ein Ausflug in den Grunewald und auf den Teufelsberg sehr empfohlen.

Der Teufelsberg ist kein gewöhnlicher, durch die langsame Gewalt der Natur geformter Berg. Auf dem Gelände, wo während des Dritten Reiches eine wehrtechnischen Fakultät entstehen sollte, wurden nach dem Zweiten Weltkrieg die Kriegstrümmer der Hauptstadt abgelagert. Ein Drittel der Gebäude in Berlin waren nach Kriegsende 1945 zerstört, und für den Wiederaufbau der Stadt brauchte man freie Flächen. Bis 1972 wurde dieser Trümmerberg deswegen immer weiter aufgehäuft, bis er schließlich aus rund 25 Millionen Kubikmeter Schutt bestand.

Die West-Alliierten – insbesondere Amerikaner und Briten – zeigten schon früh Interesse am Teufelsberg und installierten dort eine Abhörstation, die bis zum Ende des Kalten Krieges genutzt wurde, um über den Eisernen Vorhang hinweg zu „horchen“. Nach der Wende wurde 1992 schließlich das Gelände wieder auf die Stadt Berlin übertragen. Jedoch scheiterte das geplante Vorhaben, hier Hotelanlagen und Luxusapartments zu bauen. Die ehemalige Spionageeinrichtung verfiel und wurde – auch durch Vandalismus und Diebstahl – zu einer Ruine. Seit 2011 aber ist das Gelände wieder zugänglich und kann auch im Rahmen von Führungen besichtigt werden.

Heute ist der Teufelsberg auch Schauplatz der größten Graffiti-Galerie Europas. Wer dem Trubel Berlins entkommen will, kann sich hier zwischen aufregenden Wandgemälden und allerhand Kunstwerken herumtreiben und auf grob gezimmerten Sitzgelegenheiten einen Kaffee trinken. Bei allem Erholungswert von Grunewald und Teufelsberg sollte man sich aber immer ins Gedächtnis rufen, dass dieser Ort einmal einer der vielen Vorposten im Kalten Krieg war, einer Zeit, in der ein Atomkrieg zwischen den Blöcken immer und zu jeder Zeit möglich und greifbar war.

(Bild: Jochen Teufel, NSA-Station Teufelsberg (2009), Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0)

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