Das Ende des Kuschelparlaments

Es kann eigentlich kein Zweifel mehr daran bestehen, dass die AfD in den nächsten Deutschen Bundestag einziehen wird. Deswegen wird dort vieles anders werden; die Zeit der Scheingefechte unter Demokratinnen und Demokraten ist dann vorbei. Nicht nur werden unsere gewählten Abgeordneten und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter damit umgehen müssen, Tür an Tür mit von uns verabscheuten Rassisten, Nationalisten, Antisemiten, völkischen Hetzern zu arbeiten. Man wird lernen müssen, sich nun wirklich zu streiten, und nicht nur jahrzehntelang erprobte und pressefeste Rederoutinen auszutauschen. Denn: Wir haben immer noch nicht gelernt, richtig mit der AfD zu sprechen. Noch immer entrüsten wir uns mit schreckensgeweiteten Augen darüber, dass sich jemand „menschenverachtend“ geäußert hat. Ja, das ist schlimm, aber wir sollten aufhören so zu tun, als wüssten wir es nicht längst, dass diese braunkonservative Truppe so redet. Hören wir endlich auf so zu tun, als sei es noch 1999, und man könnte ein paar versprengte „Republikaner“ mit öffentlicher Entrüstung isolieren. Wir Demokratinnen und Demokraten brauchen jetzt eine neue Sprache: Hart, entschieden, aggressiv, angemessen sachlich und so emotional wie nötig. Die SPD wird sich nun wieder einmal beweisen können, denn ab Montag finden wir uns in unserer ureigenen Rolle wieder: Ganz vorne, wenn es gegen die Feinde der Demokratie geht. Gehen wir es an.

(Bild: Wahlplakat der SPD, 1920)

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