Moderner Bahnverkehr sieht anders aus.

Seit Dezember 2015 sind Bahnreisende zwischen Leipzig und Chemnitz mit der Mitteldeutschen Regiobahn unterwegs. Der Betreiberwechsel brachte nicht nur eine Verlängerung der Fahrzeiten, sondern auch Einschränkungen im Komfort mit sich.

Die 25 Jahre alten Reichsbahnwaggons stellen einen Rückschritt für den Schienenpersonennahverkehr in der Wirtschaftsregion Chemnitz dar. Besonders im Hinblick auf die Barrierefreiheit kritisieren der Fahrgastbeirat des Verkehrsverbundes Mittelsachsen (VMS) und der Sozialverband VdK zu Recht die unklimatisierten Züge. Fehlende optische Anzeigen, zu steile Zustiegstreppen, nicht automatisierte Türen und zu enge Korridore verhindern, dass sich Menschen mit Gehhilfen oder Behinderungen selbstständig im Zug bewegen können. Der Zustieg für Rollstuhlfahrer wird nahezu unmöglich. Moderner Bahnverkehr im Jahr 2015 sieht anders aus.

Die Entscheidung des VMS hat Folgewirkungen. Für die DB verliert, mit dem Wegfall der Strecke Chemnitz-Leipzig, der Ausbildungsstandort an Attraktivität. Damit droht der Chemnitzer Industrieschule die die Ausbildung eines ganzen Berufszweiges wegzubrechen. Auch der Imageschaden, der für die Stadt angerichtet wird ist verheerend. Nicht nur Ingrid Mössinger, Generaldirektorin der Kunstsammlungen, sondern auch Unternehmer und Professoren der TU Chemnitz berichten von der peinlichen Wirkung auf Gäste, die von Leipzig per Zug nach Chemnitz kommen. Sämtliche Anstrengungen das Bild von Chemnitz – weg von der grauen Maus hin zur tatsächlichen Stadt der Moderne – zu verbessern werden konterkariert und die Stadt lächerlich gemacht.

Der Verkehrsverbund wollte den günstigsten Anbieter und hat diesen auch mit allen Konsequenzen bekommen. Die Defizite, die aus diesem Vertrag entstehen, werden immer offenkundiger. Der VMS muss handeln. Auch mit Blick auf die Bahnstrecke Chemnitz-Aue können diese Zustände nur ein Warnsignal sein. Das sächsische Verkehrsministerium, die Landräte und Bürgermeister der Region müssen dieser Entwicklung entgegenwirken, damit Chemnitz und das Erzgebirge nicht abgehängt werden.

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