Katalonien: ein Referendum, das keinem nützt

Am vergangenen Sonntag haben sich die Katalanen in einem von der spanischen Zentralregierung für rechtswidrig erklärten Referendum nach Angaben der Regionalregierung mit deutlicher Mehrheit (angeblich 90,09 %) bei geringer Wahlbeteiligung für die Unabhängigkeit von Spanien ausgesprochen. Es spielt wohl keine Rolle, ob das Referendum tatsächlich rechtswidrig war; in jedem Fall war wahrscheinlich sowohl der Zeitpunkt des Referendums extrem unklug gewählt, als auch die (gewaltsame) Reaktion der spanischen Regierung: Auch ohne gesamteuropäische Krise können weder Katalonien noch Spanien noch die EU einen innerstaatlichen Zerfallsprozess gebrauchen. Auf zentralstaatlicher Seite hätte es Schläue und Fingerspitzengefühl gebraucht, auf Seite der Katalanen aber die Erkenntnis, dass es sich in Kürze ohne Not leicht außerhalb Spaniens und außerhalb der EU wiederfinden könnte. Allerdings ist der rechtliche Einwand der spanischen Regierung zugegebenermaßen auch etwas hohl: Trotz der Verfassungswidrigkeit des Referendums nach spanischem Recht hatten die Katalanen in der Vergangenheit auch nicht wirklich die Wahl, ob sie zum spanischen Zentralstaat gehören wollen.

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