Den Kreislauf des Schweigens durchbrechen.

Sie haben doch sicher auch schon einmal den Satz gehört: „Na, wenn sie sich schlagen lässt, dann soll sie ihn halt verlassen!“

Der Satz zeigt die ganze Problematik rund um häusliche Gewalt. Wenn es denn so einfach wäre: ihn einfach verlassen. Die Schläge gegen die Partnerin sind nie etwas, das „einfach mal so passiert“, oder mit dem das Opfer rational umgehen könnte. Häusliche Gewalt passiert in einem komplexen Geflecht aus sozialen, emotionalen und tatsächlichen Abhängigkeiten, aus Rechtfertigungsversuchen, Angst und Scheu vor Ausgrenzung auch außerhalb der eigenen Wohnung. Die Opfer geraten in eine Abwärtsspirale, in der sie sich womöglich selbst die Schuld geben für die Misshandlung. Eine Frau, die vom Partner misshandelt wird, befindet sich – von den körperlichen Verletzungen ganz abgesehen – in einem permanenten seelischen Schockzustand.

Rund 25% aller Frauen in Deutschland haben körperliche oder sexuelle Gewalt durch ihren aktuellen oder früheren Beziehungspartner erlebt. Allein in der Bundesrepublik suchen jährlich 30.000 bis 34.000 Frauen mit ihren Kindern Zuflucht in rund 400 Frauenhäusern und Frauenschutzwohnungen, Tendenz steigend. In Chemnitz haben im Jahr 2014 89 Frauen Schutz im Frauenhaus gesucht.

Kinder erleben die Misshandlungen als Zeugen und Mitbetroffene. Damit entsteht die sogenannte „intergenerationelle Weitergabe“ von Gewalt. Durch ihre Erfahrungen werden Opfer- und Täterrollen weitergegeben und geradezu fortgeschrieben. Kinder und Jugendliche mit häuslichen Gewalterfahrungen entwickeln selbst psychische Störungen, leiden das Leid ihrer Mütter mit. So lässt sich der Gewaltkreislauf nicht durchbrechen.

Die Opfer brauchen Hilfe.

Deswegen müssen wir Frauenhäuser, Frauenberatungsstellen, Krisenzentren für Frauen und Kinder schützen, ausbauen, fördern. In Chemnitz leisten Einrichtungen und Initiativen wie das Chemnitzer Frauenhaus, IKOS, die Frauenhilfe Chemnitz e.V., der Arbeitskreis häusliche Gewalt oder die Beratungsstelle Handschlag unermüdliche und bewundernswerte Arbeit. Der Weg (zurück) in ein gewaltfreies Leben ist mühevoll und steinig. Die Schlüsselwörter sind Schutz, Sicherheit und Unterstützung.

Dafür müssen wir aber den Kreislauf des Schweigens durchbrechen. Häusliche Gewalt passiert hinter verschlossenen Türen, in Räumen, die eigentlich Sicherheits- und Schutzräume sein sollten, die durch die Gewalt aber zu Gefängnissen wurden. Wir müssen diesen Frauen dabei helfen, die Gefängnistüren zu öffnen, und ihnen unsere helfenden Hände entgegenstrecken, damit sie Vertrauen und Sicherheit zurückgewinnen können.

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