Am Rande notiert: Kunst im Deutschen Bundestag

Wer mit offenen Augen durch die Gebäude des Deutschen Bundestages wandert, dem wird überall Kunst begegnen – nicht nur „Kunst am Bau“, sondern eine Vielzahl interessanter, zum Teil wechselnder Kunstwerke und Ausstellungen.

Manches (wie die leuchtenden „Wäscheleinen“ im Paul-Löbe-Haus) gehören schon so zum täglichen Bild, dass die meisten Abgeordneten und Mitarbeiter wahrscheinlich gar nicht mehr darauf achten werden. Bei anderen wiederum kann man schöne Überraschungen erleben: Viele werden beispielsweise nicht wissen, dass der „Mann auf der Leiter“ an der Ostfassade des Paul-Löbe-Hauses von niemand geringerem als Neo Rauch stammt, der u.a. auch das beeindruckende Gemälde im Chemnitzer Ratssaal geschaffen hat.

Und selbst wer sich vielleicht im Allgemeinen eher weniger für Kunst interessiert, kann sich wahrscheinlich noch an den „Verhüllten Reichstag“ des Künstlerehepaars Christo und Jeanne-Claude erinnern: Im Jahre 1995 verschwand dabei das Reichstagsgebäude zwei Wochen lang unter einer glänzenden Stoffummantelung. Die Meinungen dazu waren damals geteilt: Was die einen „genial“ nannten, empfanden andere als grotesk oder der Würde des Parlamentes unangemessen. Mehr noch als das Projekt selbst hat diese Debatte bewiesen, dass Kunst und demokratische Politik nicht unvereinbar sind, sondern sich gegenseitig beeinflussen und inspirieren können.

Der „Herr der Bilder“ im Deutschen Bundestag ist Dr. Andreas Kaernbach, der Leiter des Referates „Kunst im Deutschen Bundestag“ und Kurator der Kunstsammlungen. Neben den „Kunst-am-Bau-Werken“ wird seit dem Jahr 1969 die Kunstsammlung des Deutschen Bundestages aufgebaut und Jahr um Jahr durch Ankäufe erweitert. Darüber hinaus halten die vom Kunstbeirat des Deutschen Bundestages beschlossenen Ausstellungen, Veranstaltungen und Kunstprojekte das Fenster zur aktuellen Kunstszene offen. Schöne 275.000 Euro stehen 2017 im Bundeshaushalt für die Anschaffung von Kunstwerken im Deutschen Bundestag zur Verfügung; Geld, das sinnvoll eingesetzt ist, wie ich finde, schließlich kann jedermann bei den Kunstführungen, die Samstag und Sonntag angeboten werden, kostenlos in den Genuss der Bildwerke kommen. Und kostenlos ist natürlich auch der Besuch der Ausstellungen im Bundestag, sei es die im Seitenflügel des Schadow-Hauses mit den Flüchtlingsporträts des französischen Zeichners Guillaume Bruère oder die im Mauer-Mahnmal mit einem Animationsfilm und Zeichnungen von Juliane Ebner (weitere Infos unter www.kunst-im-bundestag.de).

Danke an Herrn Dr. Kaernbach und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für den interessanten Einblick in dieses spannende Tätigkeitsfeld!

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